Marbella Reisebericht: Altstadt, Avenida del Mar und Tipps für den Tagesausflug

Wann nach Marbella reisen?

Flamenco marbella

Marbella hat einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen Reisezielen: es geht eigentlich das ganze Jahr. Aber je nach Monat erlebt man eine sehr unterschiedliche Stadt. Hier ein ehrlicher Überblick.

**Januar & Februar** Kühl um die 14–15°C, gelegentlich Regen aber mehr Sonne als man denkt. Kaum Touristen, günstige Preise. Ideal für Altstadtbummel und entspannte Kaffeepausen – zum Baden zu kalt.

März & April 18–21°C, sonnig und frisch. Die Stadt erwacht, die Hügel sind grün, die Gärten blühen. Einer der schönsten Momente in Marbella – ohne Gedränge, ohne Hochsaisonpreise. Besonders April ist unterschätzt.

Mai & Juni 23–27°C, kaum Regen, das Meer wird wärmer. Restaurants und Bars füllen sich, die Stimmung ist ausgelassen – aber noch kein Sommerchaos. Preise noch moderat. Zwei der besten Monate überhaupt.

Juli & August 29–34°C, praktisch kein Regen, bis zu 12 Sonnenstunden täglich. Hochsaison in jeder Hinsicht – voll, teuer, laut. Strand und Meer sind top, mittags besser drinnen bleiben. Wer den Trubel mag, ist hier richtig. Abende am Hafen oder in der Altstadt entschädigen für alles.

September & Oktober 23–27°C, Meer noch warm, deutlich weniger Touristen. Preise fallen, Atmosphäre entspannt sich spürbar. Einer der besten Reisezeiträume – Sommer ohne Stress. Oktober eignet sich auch gut für Ausflüge in die Umgebung.

November & Dezember 15–18°C, gelegentlich Regen, ruhig und authentisch. Einheimische dominieren wieder die Cafés und Restaurants – das hat seinen eigenen Charme. Im Dezember Weihnachtsbeleuchtung an der Promenade und in der Altstadt. Kein Strandwetter, aber Marbella von seiner entspannten Seite.

Marbella entdecken – Parkhaus, Dalí-Skulpturen und der Parque de la Alameda

Wer mit dem Auto nach Marbella kommt, stellt sich als erstes die Frage: wo parken? Unsere Empfehlung: das Parkhaus Avenida del Mar. Modern, groß, barrierefrei und auch für größere Autos geeignet. Der Preis liegt bei ca. 2,60 € pro Stunde – für Marbella absolut fair. Von dort aus ist man direkt in der Avenida del Mar und kann sofort loslaufen.

Was viele Besucher nicht wissen: Die Avenida del Mar ist keine gewöhnliche Stadtstraße. Sie ist eine Open-Air-Ausstellung mit zehn Bronzeskulpturen von Salvador Dalí – dem wohl bekanntesten surrealistischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Dalí schenkte diese Werke der Stadt Marbella, und sie stehen seitdem entlang der Promenade wie eine stille Freilichtgalerie. Darunter der Mercurio – der geflügelte Götterbote der römischen Mythologie, in typisch surrealistischer Dalí-Manier verzerrt und überdehnt. Oder der Monumento a la Diversidad, der die Vielfalt der menschlichen Existenz in einer einzigen Skulptur einzufangen versucht. Wer mit offenen Augen durch die Avenida spaziert, entdeckt immer neue Details – Dalí hat nie einfache Antworten gegeben, und genau das macht diese Skulpturen so interessant.

Von der Avenida del Mar läuft man direkt in den Parque de la Alameda – eine kleine grüne Lunge mitten in Marbella, die es schon seit dem 18. Jahrhundert gibt. Ursprünglich erstreckte sich der Park über 20.000 m² – durch die Stadtentwicklung der letzten Jahrzehnte ist er kleiner geworden, aber seinen Charakter hat er behalten. Alte Bäume, schattige Wege, schmuckige Bänke und eine ruhige Atmosphäre die man in einer Touristenstadt dieser Größe nicht erwartet. In den heißen Sommermonaten ist der Park ein echter Segen – das Blätterdach spendet genug Schatten um sich kurz zu erholen, bevor es weiter in die Altstadt geht.

Ein schöner Einstieg in einen Marbella-Tag – vom Parkhaus durch die Dalí-Promenade in den Park, und von dort direkt weiter in die Altstadt.

Links

Plaza de la Iglesia – Das Herz der Marbella Altstadt

Vom Parque de la Alameda aus haben wir uns in die engen Gassen der Altstadt vorgearbeitet – durch die Calle África, vorbei an kleinen Geschäften, Restaurants und Cafés, die Wände geschmückt mit bunten Blumentöpfen wie man es aus dem andalusischen Süden kennt. Marbella macht das genauso wie Estepona – und es funktioniert jedes Mal. Man schlendert drauflos und kommt irgendwann auf einem Platz an, der einen kurz innehalten lässt.

Die Plaza de la Iglesia ist genau so ein Moment. Ein ruhiger, gepflasterter Platz mitten in der Altstadt, flankiert von Orangenbäumen, mit einer Terrasse zum Sitzen und dem Blick auf die Kirche. Hier endet der Touristenstrom kurz durch und die Stadt zeigt ihr ruhigeres Gesicht.

Die Kirche selbst – die Iglesia de Nuestra Señora de la Encarnación – ist das bedeutendste Bauwerk der Marbella Altstadt und hat eine Geschichte die weit über ihre Fassade hinausgeht. Nach der Reconquista, der Rückeroberung Marbellas durch König Ferdinand den Katholischen am 11. Juni 1485, wurde an dieser Stelle die Hauptmoschee der Stadt in eine christliche Kirche umgewandelt. Ein Akt der in ganz Andalusien üblich war und die Geschichte des Südens so vielschichtig macht. 1618 ließ Bischof Luis Fernández de Córdoba die Kirche grundlegend umbauen und erweitern – der markante Glockenturm von damals ist noch heute das erste was man von der Kirche sieht. Die heutige Kirche wurde 1767 geweiht und soll einen Bischof bei seinem ersten Besuch 1955 zu dem Ausruf bewogen haben: "Diese Kirche sieht aus wie eine Kathedrale."

Von innen: drei Schiffe, hohe Bögen, eine imposante Kuppel über dem Hauptschiff, wertvolle Wandmalereien und eine große Orgel. Das barocke Hauptaltarbild zeigt San Bernabé, den Schutzpatron der Stadt. Der Eintritt ist kostenlos – ein kurzer Blick hinein lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn man nicht religiös ist.

Direkt neben der Kirche befinden sich Reste der arabischen Festungsmauer aus dem 9. Jahrhundert – ein stiller Hinweis darauf, wie viele Schichten Geschichte unter den weißen Fassaden Marbellas stecken.

Links

Calle del Carmen, Tablao Flamenco und Cortes Cafe – Weiter durch die Altstadt von Marbella

Nach der Pause auf der Plaza de la Iglesia sind wir weiter durch die Altstadt gelaufen und in die Calle del Carmen abgebogen. Die Gasse ist ruhiger als die Straßen rund um die Plaza de los Naranjos, die Häuser sind weiß getüncht, und wie überall in der Altstadt hängen Blumentöpfe an den Wänden. Eigentlich wollten wir im Café Flor etwas essen. Das hatte aber leider zu, also hieß es: weitergehen. Ein Tipp aus dieser Erfahrung: In der Altstadt von Marbella haben nicht alle kleinen Lokale durchgehend geöffnet. Wer ein bestimmtes Café im Kopf hat, sollte vorher kurz die Öffnungszeiten bei Google Maps prüfen.

Am Ende der Gasse standen wir vor dem Tablao Flamenco Marbella. Das Tablao ist bekannt für seine Flamenco-Abende und liegt mitten in der Altstadt, in der Nähe der Plaza del Santo Cristo. Ein Tablao ist im Grunde eine kleine Flamenco-Bühne in einem Lokal, kein großes Theater. Das Publikum sitzt nah dran, man sieht die Gesichter der Tänzer und hört jeden Schritt auf dem Holzboden. Zu einem Abend gehören Gitarre, Gesang (cante) und Tanz (baile). Flamenco kommt aus Andalusien und steht seit 2010 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Wer in dieser Gegend Urlaub macht, hat hier eine gute Gelegenheit, das nicht nur im Fernsehen zu sehen. Eine Show haben wir bei diesem Besuch nicht angeschaut, wir waren tagsüber unterwegs. Die Abende laufen über Reservierung, und wer sicher einen Platz haben will, bucht am besten vorher online oder direkt vor Ort.

Danach sind wir umgekehrt, denn der Hunger war inzwischen da. Unsere Wahl fiel auf das Cortes Cafe in der Calle Peral, nur ein paar Minuten zu Fuß von der Plaza de la Iglesia entfernt. Auf der Karte stehen klassische Tapas, Croquetas, Calamares, Paella und auch Pizza, dazu gibt es Frühstück und Kaffee. Das Lokal liegt in einer Seitengasse und nicht an einem der großen Plätze, was für uns der Hauptgrund war: weniger Touristenstrom, mehr Ruhe beim Essen.

Links

Puerto Banús – Yachthafen, Shopping und Partymeile bei Marbella

Von der Altstadt ging es für uns weiter Richtung Puerto Banús, dem berühmten Yachthafen von Marbella, rund sechs Kilometer westlich vom Zentrum. Wer sich das Bild vom Hafen der Reichen und Schönen im Kopf zurechtgelegt hat, sieht es hier bestätigt: Yachten in allen Größen, Sportwagen am Straßenrand und eine Promenade, auf der man sich gerne zeigt.

Der Hafen ist jünger, als man denkt. Der Bauunternehmer José Banús ließ ihn in den 1960er-Jahren bauen, eröffnet wurde er 1970. Es war der erste Yachthafen an der Costa del Sol und der erste in Spanien, der mit privatem Geld finanziert wurde. Zur großen Eröffnungsparty sollen rund 1.700 Gäste gekommen sein, darunter Fürst Rainier von Monaco und Grace Kelly. Julio Iglesias hat gespielt. Dieser Auftritt hat den Ruf des Hafens bis heute geprägt. Heute gibt es dort etwa 915 Liegeplätze für Boote bis 50 Meter Länge.

Was uns überrascht hat: Puerto Banús ist nicht nur Luxus. Rund um den Hafen reihen sich Restaurants, Bars und Modegeschäfte aneinander, und nicht alles davon ist teuer. Neben den großen Designerläden findet man Geschäfte, in denen die Preise normal sind, und mit etwas Geduld auch Schnäppchen. Wer nur schauen will, kann einfach an der Promenade entlangschlendern, das kostet nichts, und die Yachten anzuschauen ist Unterhaltung genug.

Abends scheint hier die Partymeile von Marbella zu sein. Wir haben es selbst nicht mehr erlebt, aber die Lokale und Bars rund um den Hafen waren darauf eingestellt. Laut Reiseführern sind viele Clubs bis etwa sieben Uhr morgens offen und verlangen ordentliche Kleidung, Männer sollten lange Hosen und geschlossene Schuhe tragen. Im Sommer kommen die Beach Clubs in der Nähe dazu.

Tipp zum Parken: In der Hauptsaison wird es rund um den Hafen schnell eng. Die Parkhäuser in der Nähe füllen sich früh, deshalb lieber früh kommen oder mit Taxi oder Bus aus Marbella fahren.

Links