Reiseführer Ronda: Tipps für die beste Reisezeit, Sehenswürdigkeiten und Restaurants
Wann nach Ronda reisen?

Ronda liegt auf einem Felsplateau auf etwa 700 Metern Höhe – das macht einen Unterschied. Es ist kühler als die Küste, auch im Sommer.
Januar und Februar: Kühl und regnerisch, aber ruhig. Kaum Touristen, günstige Preise – für alle die Ronda lieber für sich haben. in Februar manchmal blühen schon die ersten Mandelbäume.
März und April: Die Landschaft erwacht – grün, frisch, mit wilden Blumen. Angenehme Temperaturen zum Laufen und Erkunden. Noch wenig Betrieb.
Mai und Juni: Perfektes Wetter, die Stadt lebt auf. Noch vor dem großen Touristenansturm – ideal.
Juli und August: Heiß. Sehr heiß. Wer kommt, sollte früh aufstehen und mittags Pause machen. Voll, aber die Abende auf der Terrasse entschädigen.
September und Oktober: Die Hitze lässt nach, die Massen auch. Eines der besten Reisefenster überhaupt.
November Ruhiger, etwas wechselhafter. Aber an klaren Tagen ist die Luft kristallklar und die Sicht in die Schlucht atemberaubend.
Dezember Kühl und ruhig. Wer Ronda ohne Trubel erleben will – jetzt ist die Zeit. Die Altstadt hat im Dezember eine ganz eigene, stille Atmosphäre.
Anreise und Parken in Ronda – Was man vorher wissen sollte
Ronda ist kein Ort, zu dem man einfach hinfährt und spontan einen Parkplatz findet. Wer vorbereitet anreist, hat deutlich mehr Spaß. Hier ist was wir gelernt haben.
Wir sind von Estepona losgefahren – die Strecke dauert ungefähr eine Stunde und zwanzig Minuten. Was man wissen muss: Ronda liegt auf einem Felsplateau auf etwa 700 Metern Höhe. Das bedeutet, man fährt bergauf, durch Kurven, immer weiter hinauf. Die Straße ist gut ausgebaut, aber wer Serpentinen nicht gewohnt ist, sollte etwas mehr Zeit einplanen und in Ruhe fahren. Die Landschaft auf dem Weg ist übrigens wunderschön – andalusische Hügel, Olivenhaine, weite Ausblicke. Es lohnt sich, zwischendurch kurz anzuhalten.
Zum Parken: Wir haben den großen öffentlichen Parkplatz Parking La Concepción genutzt, an der Calle Comandante Salvador Carrasco. Ein großer, übersichtlicher Außenparkplatz, gut ausgeschildert und zentral gelegen. Von dort läuft man in etwa fünf bis sieben Minuten zu Fuß in Richtung Altstadt und Plaza de Toros – vorbei an der Avenida de las Iras, was schon ein schöner Einstieg in die Stadt ist. Der Parkplatz ist rund um die Uhr geöffnet, ab 22 Uhr sogar kostenlos.
Die Kosten liegen aktuell bei ca. 1,80 € pro Stunde – für einen Tagesausflug also überschaubar. Zahlen kann man bequem am Automaten, der mehrere Sprachen unterstützt. Einfach Ticket beim Einfahren nehmen, beim Rausgehen am Automaten bezahlen und fertig.
Ein wichtiger Hinweis für alle die mit dem Auto in die Altstadt wollen: seit 2025 ist die Altstadt von Ronda weitgehend für Autos gesperrt – nur Fahrzeuge mit Ronda-Kennzeichen dürfen rein. Also lieber gleich parken und zu Fuß erkunden. Ronda ist kompakt genug, dass man alles bequem zu Fuß erreicht.
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Plaza del Socorro – Das lebendige Herz von Ronda
Vom Parkplatz La Concepción sind wir die Calle Lauria entlanggelaufen, dann abgebogen in die Calle Marina – und plötzlich öffnet sich der Blick auf einen großen, belebten Platz. Die Plaza del Socorro. Man merkt sofort: hier schlägt das Herz von Ronda. Cafés, Menschen, ein markanter Brunnen in der Mitte – und auf der einen Seite die Kirche, die über allem wacht.
Was zunächst wie ein einfacher Stadtplatz wirkt, ist in Wirklichkeit einer der bedeutendsten Plätze Andalusiens. Genau hier, im Jahr 1918, stand Blas Infante auf dem Balkon des Circulo de Artistas – dem Gebäude mit den roten Buchstaben „CA" direkt hinter dem Brunnen – und entfaltete zum ersten Mal öffentlich die andalusische Flagge. Blas Infante gilt bis heute als der „Vater Andalusiens", der Begründer der andalusischen Nationalbewegung. Ein Moment, der Geschichte schrieb – auf genau diesem Platz.
Der Brunnen in der Mitte zeigt Herkules, flankiert von zwei Löwen, mit den Säulen des Herkules im Hintergrund. Das ist kein zufälliges Motiv – es ist das Symbol Andalusiens, das Blas Infante selbst auswählte. Die Meerenge von Gibraltar, die Stärke, die Unabhängigkeit. Wer das weiß, schaut den Brunnen mit anderen Augen an.
Die Kirche dahinter – die Parroquia de Nuestra Señora del Socorro – hat eine bewegte Geschichte. Ursprünglich stand hier eine Kapelle aus maurischer Zeit, die im Laufe der Jahrhunderte zu einem Hospital für Arme und Pilger wurde. Im Jahr 1709 öffnete an dieser Stelle eine neue, größere Kirche. 1836 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben. Dann, 1936, während des Spanischen Bürgerkriegs, wurde sie niedergebrannt und vollständig zerstört – gemeinsam mit ihrer gesamten Sammlung an Skulpturen und Gemälden. Was man heute sieht, ist der Neubau aus den 1950er Jahren, entworfen vom Architekten Enrique Atencia. Drei Schiffe, fünf Kuppeln, zwei Glockentürme – im neobarocken Stil, mit aufwendigen Stuckverzierungen im Inneren. Der Eintritt ist kostenlos, Touristen sind willkommen.
Übrigens: Der Platz davor hieß zu Zeiten Francos „Plaza del General Franco". Erst 1981, nach dem Ende der Diktatur, wurde er offiziell in Plaza del Socorro umbenannt – und gleichzeitig wurden alle Franco-Gedenktafeln an den umliegenden Wänden entfernt. Auch das gehört zur Geschichte dieses Platzes.
Ein guter Ort, um kurz zu verschnaufen, einen Kaffee zu trinken und die Atmosphäre aufzusaugen – bevor es weiter in die Altstadt geht.
Ein kleiner Tipp am Rande: Die Restaurants direkt an der Plaza del Socorro sind eher auf Touristen ausgerichtet – die Preise sind höher, die Qualität dafür nicht unbedingt besser. Wer gut und authentisch essen möchte, sollte sich lieber in die Seitengassen abseits des Platzes treiben lassen. Dort findet man die Lokale, wo auch die Einheimischen sitzen.
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Plaza de Toros de Ronda – Die Wiege des modernen Stierkampfes
Von der Plaza del Socorro sind wir die Calle Pedro Romero entlanggegangen – benannt nach dem berühmtesten Stierkämpfer Rondas, was man an dieser Stelle noch nicht ganz versteht, aber bald schon. Ronda hat eine Art, einen in engen Gassen zu überraschen. Schöne, schnucklige Seitengassen, in denen sich gute Restaurants verstecken – wie das Carrera Oficial, das man leicht übersieht wenn man nicht aufmerksam schaut. Wer in Ronda essen möchte, lohnt es sich, genau in diese Richtung abzubiegen.
Am Ende der Strasse dann: die Plaza de Toros. Von außen schlichter als erwartet – eine barocke Sandsteinfassade, fast zurückhaltend. Aber genau das ist der Trick: was sich dahinter verbirgt, ist eines der bedeutendsten Bauwerke Andalusiens.
Die Arena wurde zwischen 1783 und 1785 vom Architekten José Martín de Aldehuela erbaut – demselben Mann, der auch die Puente Nuevo entworfen hat. Kein schlechtes Portfolio. Bereits im Jahr 1572 war an dieser Stelle ein Platz für Reitübungen eingerichtet worden, gegründet von Philipp II. als Trainingsgelände für Kavalleristen. Aus diesem militärischen Ursprung heraus entwickelte sich über Jahrzehnte etwas ganz Eigenes.
Denn Ronda ist nicht irgendeine Stierkampfarena – sie gilt als die Wiege des modernen Stierkampfes. Der Grund dafür ist eine Familie: die Romeros. Es war Francisco Romero (1700–1763), der als erster Kämpfer zu Fuß und mit einem Schwert in die Arena ging, anstatt vom Pferd aus zu kämpfen. Eine simple Entscheidung, die den Stierkampf für immer veränderte. Sein Sohn Juan führte die Cuadrilla ein – die Gruppe von Helfern die den Torero begleiten. Und sein Enkel Pedro Romero (1754–1839) wurde zur Legende: über 5.000 Stiere, nie verletzt, und einer der beiden Matadore die die Arena 1785 offiziell einweihten. Er war es auch, der die Regeln des Stierkampfes formulierte – Regeln, die bis heute gelten.
Im 20. Jahrhundert erlangte die Arena erneut internationale Bekanntheit – durch Hemingway und Orson Welles, die eng mit der Stierkämpferdynastie der Ordoñez befreundet waren. Die jährliche Corrida Goyesca, bei der Toreros in Kostümen des Malers Goya auftreten, ist bis heute eines der spektakulärsten Ereignisse Rondas.
Wir waren nicht drinnen – aber schon allein das Äußere, die Lage, und das Wissen um die Geschichte die hier stattgefunden hat, macht einen Halt lohnenswert. Wer eintreten möchte: die Arena ist täglich geöffnet, der Eintritt liegt bei ca. 10 € inklusive Stierkampfmuseum mit Kostümen, Gemälden und historischen Plakaten.
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